Eishockey Overtime-Regeln und Wetten: Was 3-Weg und 2-Weg wirklich bedeuten

Ein NHL-Spiel steht nach 60 Minuten 2:2. Was passiert jetzt? Overtime, 5 Minuten, 3-gegen-3. Immer noch Gleichstand? Shootout. Einer gewinnt. Aber welche Wette gewinnt? Hier liegt einer der häufigsten Irrtümer im Eishockey-Wettbereich: Nicht jede Wette behandelt die Overtime gleich. Die 2-Weg-Moneyline zählt das Endergebnis inklusive Overtime und Shootout. Die 3-Weg-Wette zählt nur die reguläre Spielzeit.
Dieser Unterschied klingt technisch, kostet aber real Geld. Wer glaubt, eine 3-Weg-Wette auf Team A abgegeben zu haben und sich nach dem Shootout-Sieg über den Gewinn freut, stellt beim Blick auf den Wettschein fest, dass das Spiel nach regulärer Spielzeit unentschieden war und die Wette verloren ist. Das passiert häufiger, als Buchmacher zugeben würden.
Nach 60 Minuten ändert sich alles, zumindest aus Wettsicht. Und die Regeln für Overtime und Shootout unterscheiden sich zwischen NHL, DEL und IIHF-Wettbewerben erheblich. Wer auf internationales Eishockey wettet, muss nicht nur die Wettart kennen, sondern auch das Regelwerk des jeweiligen Wettbewerbs. Dieser Artikel klärt beides.
Overtime & Shootout: Regeln in NHL, DEL, IIHF
Die Overtime-Regeln variieren je nach Wettbewerb, und jede Variation hat direkte Auswirkungen auf den Wettmarkt.
NHL (reguläre Saison). Nach 60 Minuten ohne Sieger folgt eine fünfminütige Overtime im 3-gegen-3-Format. Das offene Spiel produziert mehr Torchancen als das 5-gegen-5 der regulären Spielzeit. Etwa 60 bis 70 Prozent der Overtime-Spiele werden in diesen fünf Minuten entschieden. Bleibt es unentschieden, folgt ein Shootout mit drei Schützen pro Team, bei Gleichstand mit Sudden-Death-Verlängerung. Das Heimteam hat im Shootout einen leichten Vorteil, weil es als zweites schießt und damit auf das Ergebnis des Gegners reagieren kann. In der regulären Saison gewinnen Heimteams zwischen 54 und 56 Prozent ihrer Spiele insgesamt, und der Overtime-Modus verstärkt diesen Effekt leicht.
NHL (Playoffs). Keine Shootouts. Stattdessen wird im 5-gegen-5-Format unbegrenzt weitergespielt, jeweils 20-Minuten-Perioden, bis ein Tor fällt. Playoff-Overtimes sind die dramatischsten Momente im Eishockey und können sich über Stunden hinziehen. Für Wetter ist das relevant, weil der 2-Weg-Markt in Playoff-Spielen keine Shootout-Komponente enthält und die Moneyline ausschließlich durch reguläres Eishockey entschieden wird.
DEL (reguläre Saison). Das Format folgt weitgehend dem NHL-Modell: 5-Minuten-Overtime im 3-gegen-3, danach Shootout. In den DEL-Playoffs wird wie in der NHL ohne Shootout bis zum entscheidenden Tor gespielt.
IIHF (Weltmeisterschaften, Olympia). Die Overtime bei IIHF-Turnieren variiert je nach Phase. In der Gruppenphase gibt es bei Gleichstand nach 60 Minuten eine 5-Minuten-Overtime im 3-gegen-3, danach Shootout. In der K.o.-Runde wird im 3-gegen-3 ohne Shootout bis zum Tor weitergespielt, mit 10-Minuten-Overtime-Perioden.
Ein Sonderfall: Manche europäische Ligen haben abweichende Formate. Die SHL in Schweden spielt 5-Minuten-Overtimes im 3-gegen-3, die Liiga in Finnland ebenfalls. Die KHL nutzt seit einigen Jahren das gleiche Format. Die Grundstruktur ist ähnlich, aber Details wie die Shootout-Regeln und die Punktevergabe variieren. Wer auf skandinavisches oder russisches Eishockey wettet, sollte die Overtime-Regeln der jeweiligen Liga kennen, bevor eine 3-Weg-Wette platziert wird.
2-Weg vs. 3-Weg: Welche Wette zählt wann?
Der Unterschied zwischen 2-Weg und 3-Weg ist die wichtigste Differenzierung, die ein Eishockey-Wetter verstehen muss.
2-Weg (Moneyline). Wer gewinnt das Spiel? Inklusive Overtime und Shootout. Es gibt nur zwei Ausgänge: Team A gewinnt oder Team B gewinnt. Das Ergebnis nach regulärer Spielzeit ist irrelevant, solange am Ende ein Sieger feststeht. In der NHL-Saison gibt es durch das Overtime/Shootout-System immer einen Sieger, deshalb ist die 2-Weg-Moneyline der Standardmarkt.
3-Weg. Drei mögliche Ausgänge: Team A gewinnt nach 60 Minuten, Unentschieden nach 60 Minuten, Team B gewinnt nach 60 Minuten. Die Overtime und das Shootout werden nicht berücksichtigt. Das führt zu einer grundlegend anderen Quotenstruktur. Weil eine dritte Option existiert, sind die Einzelquoten höher. Ein Team, das auf der 2-Weg-Moneyline bei 1.70 steht, kann im 3-Weg bei 2.10 stehen, weil ein Teil der Wahrscheinlichkeit auf das Unentschieden entfällt.
Die Quote auf das Unentschieden nach 60 Minuten liegt in der NHL typischerweise zwischen 3.80 und 4.50. Rund 20 bis 24 Prozent der NHL-Spiele in der regulären Saison gehen in die Overtime. Das heißt: In mehr als jedem vierten Spiel ist die 3-Weg-Wette auf einen Sieger nach 60 Minuten ein Verlierer, egal welches Team am Ende gewinnt.
Für Wetter, die sich auf das 3-Weg-Format spezialisieren, bietet es dennoch Vorteile. Die Quoten im 3-Weg sind bei manchen Konstellationen effizienter als im 2-Weg, weil weniger Geld in diesen Markt fließt und die Linien weicher sind. Besonders bei Spielen, in denen ein klarer Favorit erwartet wird, der sein Spiel in der regulären Spielzeit entscheidet, kann die 3-Weg-Quote auf den Favoriten besser sein als die 2-Weg-Quote.
Ein Aspekt, der den Overtime-Bezug beeinflusst: die Scoring-Struktur. In der Saison 2024-25 fielen 77,6 Prozent aller Tore bei gleicher Spielerzahl. Im 3-gegen-3 der Overtime ist das Spiel dagegen extrem offen, und die Torwahrscheinlichkeit pro Minute steigt deutlich an. Das 3-gegen-3-Format begünstigt technisch starke Mannschaften mit schnellen, kreativen Stürmern. Wer in der Overtime-Phase auf 2-Weg wettet, wettet implizit auch auf die 3-gegen-3-Qualität der Teams, nicht nur auf ihre 5-gegen-5-Stärke.
Praxis: Overtime-Szenarien und ihre Wett-Auflösung
Drei Szenarien zeigen, wie Overtime-Regeln den Wettausgang bestimmen.
Szenario 1: NHL reguläre Saison. Spiel endet 3:3 nach 60 Minuten. In der Overtime erzielt Team A das entscheidende Tor: 4:3 nach OT. Ergebnis für 2-Weg-Wetter: Team A gewinnt. Ergebnis für 3-Weg-Wetter: Unentschieden. Wer auf Team A im 3-Weg gesetzt hat, verliert, obwohl Team A das Spiel gewonnen hat. Wer auf Unentschieden gesetzt hat, gewinnt.
Szenario 2: NHL Playoffs. Spiel steht nach 60 Minuten 1:1. Es gibt keine 3-gegen-3-Overtime, sondern eine 5-gegen-5-Verlängerung. In der zweiten Overtime-Periode erzielt Team B nach 87 Minuten Gesamtspielzeit das entscheidende Tor: 2:1. Für 2-Weg-Wetter: Team B gewinnt. Für 3-Weg-Wetter: Unentschieden. In den Playoffs existiert kein Shootout, was bedeutet, dass das 2-Weg-Ergebnis durch reines Eishockey entschieden wird, nicht durch einen Einzelwettbewerb.
Szenario 3: Eishockey-WM, Gruppenphase. Spiel endet 2:2 nach 60 Minuten. Die Overtime endet torlos, das Shootout gewinnt Team A. Für die 2-Weg-Wette gewinnt Team A. Für die 3-Weg-Wette ist es Unentschieden. Aber Achtung: Bei manchen Buchmachern zählt die Eishockey-WM in der Gruppenphase als 3-Weg-Markt ohne 2-Weg-Option. In der K.o.-Runde wird dann auf 2-Weg umgestellt. Vor jeder WM-Wette prüfen, welcher Markt angeboten wird.
Die Lektion aus allen drei Szenarien ist identisch: Vor dem Wettschein die Marktbeschreibung lesen. Nicht raten, nicht annehmen, sondern prüfen, ob die Wette das Ergebnis nach 60 Minuten oder das Endergebnis inklusive Overtime abbildet. Zwei Klicks, die Geld sparen.
Fazit
Die Overtime-Regeln im Eishockey sind kein Randthema. Sie bestimmen, wie Wetten abgerechnet werden, und der Unterschied zwischen 2-Weg und 3-Weg ist einer der häufigsten Stolpersteine für Einsteiger und Gelegenheitswetter.
Die Faustregel: Wer auf den Sieger eines Spiels wettet, braucht die 2-Weg-Moneyline. Wer auf das Ergebnis nach 60 Minuten wettet, braucht den 3-Weg. In der regulären NHL-Saison gibt es immer einen Sieger. In der K.o.-Runde von Turnieren ebenfalls. Nur in der Gruppenphase mancher Wettbewerbe ist die 3-Weg-Wette der Standardmarkt.
Wer diese Unterscheidung verinnerlicht hat, vermeidet den teuersten Fehler im Eishockey-Wettbereich: auf ein Ergebnis zu wetten, das die eigene Wette gar nicht abdeckt. Nach 60 Minuten ändert sich alles, und der Wettschein sollte darauf vorbereitet sein.